Archive for the ‘Reportage’ Category

Bruders Kriege
13. Mai 2010

Der größte Fehler liegt im Titel: „Sohn der Hamas“, Untertitel: „Mein Leben als Terrorist“. Im Original: „A Gripping Account of Terror, Betrayal, Political Intrigue, and Unthinkable Choices“. Eine „packende Schilderung“ also von „Terror, Verrat, politischen Intrigen und undenkbaren Entscheidungen“.

Das englische Original trifft besser. Mosab Hassan Yousef, der „Sohn der Hamas“ ist kein Terrorist. Er wuchs im Hause eines Terroristen auf, ja. Sein Vater ist Scheich Hassan Yousef, einer der sieben Gründerväter der Hamas. Aber macht ihn das zu einem Terroristen? Macht ein Nazi-Vater seinen Sohn automatisch zum Nazi? Ein Henker seine Tochter zur Henkerin?

Die Schwelle ist niedriger, die Berührung eher gegeben. Das Anormale wird alltäglicher, also kann Mosab Hassan Yousef, 1978 in Ramallah geboren, die Grenze zum Absurden schwerer ziehen. Aber es macht ihn nicht zum Sprengstoffgürtelträger, zum Attentäter in Bussen, vor Diskotheken, in Einkaufszentren.

Ob das Mitwissen schuldig macht? Mosab bejaht die Frage durch sein Handeln. Er wendet sich ab. Nicht vom Vater, aber von den Zielen der Organisation, die er so ohnehin nie blind unterstützt hat. Er wendet sich ab von seinem Hass auf Israel. Er wendet sich ab von seinem Bekenntnis zum Islam, konvertiert zum Christentum.

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Drei Straßen Kairo
15. April 2010

Aus dem Reisemagazin TOURS (aktuelle Ausgabe)

Keine Pyramiden, kein ägyptisches Museum, kein Nil. Unsere Reise durch Kairo führt durch das, was gemeinhin als „Kleine-Leute-Viertel“ bezeichnet wird. Und offenbart damit einen Bilderbogen des Alltäglichen in der Ferne, in dem das banale Leben in all seinen Farben tobt.

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Witness – Beirut under siege (Part I & II)
22. März 2010

„It’s a long hot summer for Katia and her family in Lebanon amid the 2006 war“ schrieb die englische Al Jazeera-Tochter im Sommer 2006. Man kann von Al Jazeera halten, was man will – zu unausgewogene Berichterstattung, zu viel Nähe zu „pro-extremistischer“ Berichterstattung. Whatever. Hier zwei Clips, die tatsächlich nur kurze Zeit nach einer fröhlichen Fußball-WM entstanden sind und nur wenige Wochen, nachdem ich zum letzten Mal in Beirut war.

Asche zu Asche
15. März 2010

Möglich, dass die Bibel irrt. Dass Gott gar nicht geruht hat am siebenten Tag. Dass an Tag Sieben, nachdem Er die Sahara sandgelb und die Antarktis weiß getüncht hatte, die Tiefen der Meere blauschwarz und die Schluchten des Grand Canyon rot bepinselt hatte, nach all dem Schaffen und Mühen und dem Formen von Getier, das da lebt und webt und dem Scheiden von Himmel und Erde und von Licht und Finsternis – gut möglich, dass Ihm nach all dem nur noch eines blieb: Ein Rieseneimer voll himmlischer grüner Farbe. … Mehr

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